Am 7. August liefen zwei Meldungen über den Ticker, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Die eine kam vom Statistischen Bundesamt und betrifft den gesamten deutschen Einzelhandel. Die andere kam vom Marktforscher Omdia und betrifft Tablets. Zusammengelesen ergeben sie ein ziemlich klares Bild davon, was 2026 gerade passiert.
Erstens: Wachstum, das keines ist
Der deutsche Einzelhandel hat im ersten Halbjahr 2,2 Prozent mehr umgesetzt als im Vorjahr. Klingt solide. Rechnet man die Preissteigerungen heraus, bleiben 0,7 Prozent reales Plus. Der Umsatz wächst also fast ausschließlich, weil dieselbe Ware mehr kostet – nicht, weil mehr Ware über die Theke geht.
Der Handelsverband Deutschland ist entsprechend zurückhaltend. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth sagt: „Die Lage im Einzelhandel ist alles andere als gut. Die Konsumstimmung bewegt sich seit längerer Zeit auf dem Niveau des zweiten Corona-Lockdowns.“
- Juni allein lief sogar rückläufig: nominal −1,0 Prozent, real −0,7 Prozent.
- Die HDE-Prognose für das Gesamtjahr 2026 liegt bei nominal +2,0 Prozent und real +0,5 Prozent – also im Kern eine Fortschreibung.
- Etwas Licht: Das Ifo-Institut meldete für Juli ein leicht verbessertes Geschäftsklima im Handel, der Index stieg von −32,4 auf −28,7 Punkte. Verbessert heißt hier: weniger schlecht.
- Als Belastung nennt der Verband internationale Krisen, politische Unsicherheit und den Nahostkonflikt. Der Online-Handel bleibt der Wachstumstreiber.
Zweitens: Tablets werden knapper und teurer
Im zweiten Quartal wurden weltweit 36 Millionen Tablets verkauft, ein Minus von 10 Prozent. Bemerkenswert ist weniger der Wert selbst als das, was fehlt: Erstmals seit Jahren blieb der sonst übliche Zuwachs gegenüber dem Vorquartal aus.
Der Grund liegt nicht bei den Kunden, sondern in der Lieferkette. Speicherchips sind knapp. Wenn ein Hersteller nur begrenzt Speicher bekommt, verbaut er ihn dort, wo am meisten daran verdient ist – in den teuren Modellen. Die günstigen Varianten werden ausgedünnt oder verschwinden ganz.
| Hersteller | Marktanteil | Absatzentwicklung |
|---|---|---|
| Apple | 38 % (zuvor 37 %) | −7,5 % |
| Samsung | 16 % (zuvor 17 %) | −13 % |
| Lenovo | 11 % (zuvor 8 %) | +27 % |
| Xiaomi | 8 % | −6,8 % |
| Huawei | – | −15,6 % |
Interessant ist Lenovo: Als einziger großer Anbieter legt das Unternehmen gegen den Trend deutlich zu. Omdia stuft den Markt insgesamt als „widerstandsfähiger als erwartet“ ein – Tablets ersetzen zunehmend Notebooks, gerade mit ansteckbarer Tastatur, und wachsen im Bildungsbereich und bei Firmenkunden. Trotzdem rechnen die Marktforscher damit, dass die steigenden Verkaufspreise den Rest des Jahres bremsen.
Das kennen wir schon: Dieselbe Speicherknappheit hat bereits den Smartphone-Markt erwischt – wir hatten dazu im Juli ausführlich berichtet. Neu ist, dass der Effekt jetzt auch bei Tablets ankommt. Es ist also kein Handy-Thema, sondern ein Bauteil-Thema.
Drittens: Auch im Mobilfunk zählt der Wert, nicht die Stückzahl
Das Muster endet nicht bei der Hardware. Die Telekom hat diese Woche ebenfalls ihre Zahlen vorgelegt: 6,5 Milliarden Euro Umsatz im Deutschland-Geschäft, organisch +3,7 Prozent, dazu 218.000 neue Mobilfunk-Vertragskunden im Quartal. Auch hier wächst der Umsatz stärker als die reine Menge – der Markt ist gesättigt, gewonnen wird über den Wert je Vertrag. Was das im Detail heißt, haben wir in unserer Einordnung der Halbjahreszahlen aufgeschrieben.
Drei Branchenausschnitte, dieselbe Bewegung: Der Umsatz wächst schneller als die Menge. Im Handel über Preise, bei Tablets über teurere Modelle, im Mobilfunk über den Wert je Kunde.
Was das für deinen nächsten Technikkauf heißt
- Warten wird gerade selten belohnt. Solange Speicher knapp ist, ist die Richtung eher nach oben als nach unten. Wer ohnehin ersetzen muss, gewinnt durchs Abwarten meist nichts.
- Achte auf den Speicher, nicht nur auf den Preis. Genau daran wird derzeit gespart. Ein Gerät mit knapp bemessenem Speicher ist kein Schnäppchen, sondern ein kürzeres Geräteleben.
- Die zweitbeste Ausstattung ist oft die beste Entscheidung. Wenn die Einstiegsmodelle dünner werden, heißt das nicht, dass du zum Topmodell greifen musst. Die Mitte ist meistens der ehrlichste Kompromiss.
- Reparieren rechnet sich wieder mehr. Wenn Neugeräte teurer werden, verschiebt sich die Rechnung. Ein Akkutausch oder ein neues Display kann ein gutes Gerät günstig um Jahre verlängern.
greem-Einschätzung
Wir sagen dir, wenn du gerade nichts kaufen solltest.
Wir sind selbst Einzelhandel, uns betrifft diese Statistik also unmittelbar. Trotzdem – oder gerade deshalb – halten wir nichts davon, eine Preisrunde als Kaufanlass zu verkaufen. Wenn dein Gerät noch tut, was es soll, ist der beste Rat: behalten. Wenn es hakt, schauen wir zuerst, ob sich eine Reparatur lohnt, bevor wir über ein neues reden. Und wenn es wirklich ein neues sein muss, achten wir auf den Speicher, weil genau daran gerade gespart wird. Das ist kurzfristig nicht der umsatzstärkste Weg. Aber du kommst wieder, und darauf kommt es uns an.
Neu kaufen oder reparieren?
Bring dein Gerät mit, wir schauen es uns an und sagen dir ehrlich, was sich rechnet. Komm einfach in einen unserer Shops im Rhein-Main-Gebiet – kein Termin nötig.
Zum nächsten greem-ShopQuellen: telecom-handel.de – „Einzelhandel wächst im ersten Halbjahr vor allem dank höherer Preise“ und „Tablet-Markt leidet unter Engpässen bei Komponenten“, beide von Boris Boden, 7. August 2026; sowie „Mobilfunk stärkt Telekom-Geschäft in Deutschland“, Roland Bernhard, 6. August 2026. Zugrunde liegende Daten: Statistisches Bundesamt, Handelsverband Deutschland (HDE), Ifo-Institut, Marktforscher Omdia sowie Angaben der Deutschen Telekom. Angaben ohne Gewähr.