Wenn bei uns jemand fragt, wann denn nun endlich Glasfaser kommt, ist die ehrliche Antwort oft: Das hängt nicht am Bagger. Genau dieselbe Erfahrung machen gerade Leute, die eine Wärmepumpe oder eine Wallbox anmelden wollen. Es lohnt sich, beides nebeneinanderzulegen.
Beim Strom: eine Warteschlange, die niemand sortiert
Nach einer Umfrage des Branchenverbands BDEW unter Übertragungs- und großen Verteilnetzbetreibern lagen Ende 2025 Netzanschlussanträge für über 720 Gigawatt Batteriespeicherleistung vor.
Diese Zahl muss man einordnen, sonst versteht man sie falsch. 720 Gigawatt sind das Neunfache der tatsächlichen Jahreshöchstlast von rund 80 Gigawatt und mehr als das Zweieinhalbfache der gesamten in Deutschland installierten Erzeugungsleistung von 263 Gigawatt. Das ist also kein aufgestauter echter Bedarf – so viel Speicher braucht das Land nicht annähernd.
Warum ist die Schlange dann so lang? Weil das Verfahren sie lang macht.
- Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Anträge werden strikt nach Eingangsdatum bearbeitet – ohne Bewertung, ob ein Projekt überhaupt realistisch ist oder dem Gesamtsystem nutzt.
- Also stellt man Anträge früh. Viele stammen aus sehr frühen Projektphasen, teils automatisiert und in großer Zahl eingereicht, um sich einen Platz in der Reihe zu sichern.
- Die Folge: Wer ein fertig durchgeplantes Vorhaben hat, steht hinter Projekten an, die es vielleicht nie geben wird. Bereits zugesagte Anschlüsse von 78 Gigawatt überschreiten schon heute die Szenarien des Netzentwicklungsplans für das Jahr 2045.
- Und alle konkurrieren um dieselbe Kapazität – Speicher, Rechenzentren, Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur.
BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae fordert deshalb, die Kraftwerksnetzanschlussverordnung anzupassen: transparente Verfahren, Vergabe nach volkswirtschaftlichen Kriterien und flexible Netzanschlussvereinbarungen statt starrem Windhundprinzip.
Beim Glasfaser: dasselbe Muster, nur andersherum
Im Telekommunikationsnetz zeigt sich derselbe Mechanismus mit umgekehrtem Vorzeichen. Gebaut wird viel: Allein die Telekom hat im zweiten Quartal 161.000 neue Glasfaserkunden angeschlossen, 13,6 Millionen Haushalte können inzwischen einen Anschluss bis in die Wohnung bekommen.
Genutzt wird davon 17,5 Prozent. Fünf von sechs Haushalten, bei denen die Faser liegt, surfen weiter über die alte Leitung.
- Vor dem Bau steht auch hier ein Verfahren: Genehmigungen, Abstimmung mit Kommune und Tiefbau, Wegerechte, Termine mit mehreren Beteiligten. Das dauert regelmäßig länger als das Graben selbst.
- Nach dem Bau kommt die zweite Hürde: Viele wissen gar nicht, dass bei ihnen etwas liegt. Die häufigste Reaktion auf eine Verfügbarkeitsprüfung bei uns ist „Ach, das gibt es bei uns schon?“
- In beiden Netzen gilt damit dasselbe: Der Engpass ist nicht die Baustelle. Er liegt in dem, was davor entschieden und danach vermarktet wird.
Warum dich beides gleichzeitig betrifft
Die beiden Themen laufen nicht nebeneinander her, sie hängen zusammen. Was gerade in die Häuser einzieht, braucht Strom und Daten zugleich:
- Wallbox und Wärmepumpe gelten als steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Damit der Netzbetreiber sie im Bedarfsfall regeln kann, müssen sie erreichbar sein – das setzt eine funktionierende Datenverbindung voraus.
- Moderne Stromzähler übermitteln Verbrauchsdaten. Auch das ist eine Datenverbindung, nur eine, die man nie sieht.
- Photovoltaik mit Speicher wird über Apps und Portale gesteuert. Fällt das Internet aus, fällt die Steuerung aus.
- Homeoffice und Videosprechstunde sind längst Grundversorgung. Und dafür zählt nicht die Spitzengeschwindigkeit, sondern dass die Leitung immer steht.
Das ist der Punkt, den wir wichtiger finden als jede Megabit-Zahl: Je mehr im Haushalt vom Netz abhängt, desto weniger geht es um Tempo und desto mehr um Zuverlässigkeit. Ein Anschluss, der 250 Mbit/s schafft und immer läuft, ist mehr wert als einer, der 1.000 verspricht und abends einbricht.
Was du daraus mitnehmen kannst
- Warte nicht auf „irgendwann“. Bei 17,5 Prozent Nutzung ist die Wahrscheinlichkeit real, dass an deiner Adresse längst etwas liegt. Zwei Minuten Prüfung ersetzen jahrelanges Vermuten.
- Plane Anschluss und Anschaffung zusammen. Wer über Wallbox, Wärmepumpe oder PV nachdenkt, sollte gleich prüfen, wie stabil die Datenverbindung im Haus ist. Nachgerüstet wird es teurer.
- Frag nach dem Warum, nicht nach dem Wann. „Ende des Jahres“ sagt dir jeder. Was tatsächlich hilft, ist zu wissen, in welcher Phase dein Ausbau steckt – Planung, Genehmigung oder Bau.
greem-Einschätzung
Wir versprechen dir kein Tempo. Wir sagen dir, woran es gerade liegt.
Es wäre einfach, „kommt bald“ zu sagen und dich damit nach Hause zu schicken. Wir halten das für den schlechteren Weg, weil du dann in einem halben Jahr wieder dastehst und dich geärgert hast. Uns ist lieber, du weißt, dass zwischen dem ersten Spatenstich und deinem Router mehrere Beteiligte sitzen, die alle mitreden. Was wir dir dafür bieten können: eine ehrliche Verfügbarkeitsprüfung für deine Adresse, eine realistische Einordnung, in welcher Phase dein Ausbaugebiet steckt, und einen Anschluss, der zu dem passt, was bei dir zu Hause tatsächlich am Netz hängt. Wenn dein aktueller Anschluss dabei die bessere Wahl ist, sagen wir das auch.
Was liegt bei dir an – und was hängt dran?
Wir prüfen deine Adresse und schauen mit dir, ob dein Anschluss zu Wallbox, Wärmepumpe und Homeoffice passt. Komm einfach in einen unserer Shops im Rhein-Main-Gebiet – kein Termin nötig.
Zum nächsten greem-ShopQuellen: Zahlen zum Stromnetz nach einer BDEW-Umfrage unter Übertragungsnetzbetreibern und 17 großen Verteilnetzbetreibern (Stand Ende 2025), wiedergegeben u. a. bei contextcrew.de und pv-magazine.de; Angaben der Bundesnetzagentur zu rund 10.000 Anträgen mit über 400 GW bis November 2025; Zitat und Forderungen von Kerstin Andreae (BDEW). Glasfaserzahlen nach der Medieninformation der Deutschen Telekom zum zweiten Quartal 2026. Wichtig zur Einordnung: Die 720 GW sind ein Antragsvolumen, kein Bedarf – die Quellen selbst bezeichnen den Wert als deutlich überzeichnet. Die Beschreibung der Genehmigungsphasen beim Glasfaserausbau beruht auf unserer eigenen Erfahrung aus der Beratung. Angaben ohne Gewähr.